Interview mit Madame C.

M.K: Liebe Frau C, ich freue mich, Sie heute zu treffen, mich kurz mit Ihnen zu unterhalten. Sie gehören zu den PD-Patientinnen, die in der Schweiz am längsten dabei sind. Inzwischen sind es über 10 Jahre her, als Sie mit der Peritonealdialyse-Behandlung begannen, das war im Juli 2002.

Beschreiben Sie uns doch bitte, diese lange Zeit Ihres Lebens mit der Dialyse.

Frau C: Für mich war sie ein Geschenk des Himmels!

Als ich zwanzig war, sah ich meine Mutter an derselben Krankheit sterben. Damals, wurde Sie in Lausanne eingewiesen, da eine Hämodialyse, zu jener Zeit, im Wallis noch nicht möglich war. Die Behandlung war seinerzeit sehr viel schwieriger als heute. Und als ich mit der Dialyse begann, wollte ich nicht dieselbe Behandlung wie sie erfahren.  Selbst heute, könnte ich mir nichts anderes als die PD vorstellen.

Meine Schwester nahm schon die PD-Behandlung vor, als ich damit begann, was mich in meiner Wahl bestätigte. Bevor sie seinerzeit damit begann, hatte man ihr bereits eine Fistel für ihre Hämodialyse angelegt. Doch dann traf sie eine Frau, die ihr von dieser Methode erzählte, darauf hat sie sich für die PD entschieden.

Aber, sagen Sie mir nicht, ich sei die langjährigste DP-Patientin?

 

M.K: Das könnte ich Ihnen nicht sagen, auf jeden Fall aber sind Sie eine der DP-Patientinnen, die schon am längsten mit dabei ist.

Gibt es etwas, was Sie vermissen, dass Sie bedauern, was Ihnen in all diesen Jahren nicht möglich war?

Frau C: Ich habe einen Bruder, der in Taiwan lebt. Ich habe ihn zweimal besucht, aber das war vor meiner Krankheit. Das einzige, was ich bedaure ist, ihn nicht ein letztes Mal besucht zu haben, bevor ich mir der Dialyse begann. Danach wagte ich es nicht mehr. Ich habe übrigens meinem Arzt gesagt, nachdem ich mit der Behandlung begonnen hatte, dass er mich doch nochmals hätte gehenlassen sollen. Daraufhin antwortete er mir, dass ich kaum lebend, sondern im Sarg zurückgekommen wäre.

 

M.K: Aber, später hätten Sie doch hingehen können…

Frau C: Ich weiss, mein Bruder hat mir das auch wiederholt gesagt. Auch gibt es dort die entsprechenden PD-Produkte. Und das Pflegepersonal sagte mir dasselbe. Mir fehlte aber der Mut. Auch wenn ich weiss, dass ein Kollege meines Bruders seit sechs oder sieben Jahren problemlos die PD-Behandlung vornimmt. Nun kommt mein Bruder halt öfters in die Schweiz, mich besuchen.

Mit meiner Tochter reiste ich ins Tessin. Da war nur ein Problem: ich hatte die Karte für mein Nachtgerät vergessen.

 

M.K: Wenn man Sie so sieht, vermitteln Sie nicht das Gefühl, erkrankt zu sein.

Frau C: Ich weiss, das sagt man mir oft. Die Leute glauben nicht, dass ich krank bin.

Ich habe das Glück, nicht behindert zu sein, ich kann meinen Beschäftigungen nachgehen, spazierengehen, autofahren. Mein Mann hat mich darin bestärkt, ein neues Fahrzeug zu kaufen, als mein altes kaputt ging, und er hatte recht!

 

M.K: Welchen Beschäftigungen gehen Sie nach?

Frau C: Ich kümmere mich etwas um meinen  Haushalt. Mein Mann hilft mir, wenn es mir weniger gut geht, und ich sticke gerne. Die Gartenarbeit musste ich aufgeben, weil sie zu ermüdend wurde. Wir hatten einen kleinen Himbeerenanbau und einen grossen Garten. Inzwischen ertrage ich die Hitze nur schlecht. Nun zeige ich meiner Schwiegertochter, was zu tun ist. So gibt es etwas Gemüse. Und dann und wann geniesse ich die Zeit mit meinen Enkelkindern…

 

M.K: Wir treffen Sie heute übrigens im Flachland, weil Sie Taxi spielen für die Enkelkinder, die an Kursen beim  Ferienplausch teilnehmen.

Frau C: Ja, ich bin so glücklich, sie heranwachsen zu sehen, daran zu denken, dass sie sich später einmal an mich erinnern werden. Und ich bin stolz auf die drei Grossenkel!

 

M.K: Gibt es etwas, das Ihnen fehlt?

Frau C: Nein, ich finde, die PD erlaubt mir mein Leben so zu leben, wie ich es auch will. Ich fühle mich wohl, zuhause, mit meiner Familie, meinem Mann. Wir sind keine Abenteurer, die viel ausgehen. Aber wir führen ein gutes Leben.

Klar, möchte ich nicht dreimal wöchentlich ins Spital kommen, das empfinde ich weit störender, als meine nächtlichen PDs!

Würde ich mein Leben von Vorne beginnen, würde ich mich auf jeden Fall wieder für die PD entscheiden!