Welt-Diabetes-Tag 14.November 2011

Interview mit der Geschäftsführerin der Schweizerische Diabetes-Gesellschaft
Doris Fischer-Taeschler

 

Was ist die Aufgabe der Schweizerischen Diabetes-Gesellschaft?
Die SDG ist der Dachverband der Patientenorganisation, der Fachorganisation der nichtärztlichen Fachberatung und des Fachverbandes der Diabetologen. Dadurch hat sie verschiedene Rollen wie zum Beispiel die Patienteninformation, fachliche Schulung der Patienten, die Vertretung der Interessen der Patienten sowie die Vernetzung aller Mitgliedsorganisationen inne.

Er bezweckt eine Verbesserung der Lage der Diabetikerinnen und Diabetiker in der Schweiz im Sinne der Internationalen Diabetes-Föderation, insbesondere die geeignete Instruktion, die Förderung der Hilfe zur Selbsthilfe und die psychosoziale Begleitung der Betroffenen und ihrer Angehörigen, die Aufklärung der Öffentlichkeit, wie auch die Früherfassung der Zuckerkrankheit und die Unterstützung der Erforschung wissenschaftlicher und sozialer Probleme dieser Krankheit.

Der Verein vertritt als Patientenorganisation die Anliegen der Diabetikerinnen und Diabetiker aus einer interdisziplinären Optik gegenüber den Anspruchsgruppen, insbesondere aus Politik, Industrie und Wissenschaft.

Gibt es viele Diabetiker in der Schweiz?
In der Schweiz ist die Prävalenz für Diabetes bei 5%, es sind nur zweidrittel der Diabetes Erkrankungen erkannt. Es gibt ca. 360‘000 Diabetiker in der Schweiz davon sind 30‘000 an Diabetes Typ 1 und 330‘000 an Diabetes Typ 2 erkrankt.

Wie viele Mitglieder haben Sie und wie sieht die Struktur der Schweizerischen Diabetes-Gesellschaft aus?
Die Schweizerische Diabetes-Gesellschaft vertritt in den 19 regionalen Sektionen zusammen mit Diabetes-FachberaterInnen und ErnährungsberaterInnen der Beratungssektion, Mitgliedern des Expertenbeirats, Forschenden und Fachärzten der Scweizerischen Geellschaft für Endokrinologie und Diabetologie (SGED) und der Schweizerischen Diabetes-Stiftung rund 25'000 Mitglieder.

Wie lange gibt es die Schweizerische Diabetes-Gesellschaft schon?
Seit 1957, sie wurde kurz nach der Erfindung des Insulins gegründet. Genf war damals die erste regionale Gruppe, die aufgrund des „Selbsthilfegedankens“ entstanden ist. Die SDG ist eine der ersten Patientenorganisationen, die zusammen mit der Schulmedizin für die Interessen der Pateinten und Betroffenen eintrat.

Sie sehen einer Ihre Hauptaufgaben auch in der Verhinderung von Folgekrankeiten des Diabetes?
Ja, unsere Aufgaben sind die primäre und sekundäre Prävention (vorbeugende Massnahmen). Im Bereich der sekundären Prävention bieten wir individuelle Beratung im persönlichen Gespräch mit einer Fachperson, Anleitungen um die Folgeerkrankungen des Diabetes zu vermeiden sowie Schulungen und regelmässige Informationen, die über die Krankenkasse erstattet werden, wenn dies der Arzt verordnet.

Die Schweiz zeigt, im kürzlich veröffentlichten WHO Bericht über Chronische Krankheiten, einige Mängel in der Betreuung von Patienten mit chronischen Krankheiten. Eine Verbesserung dieser Situation wäre möglich, in dem die Grundversorger mehr Beratungs-  und Informationsgespräche  für die Betroffenen verordnen würden.

Die primäre Prävention, also die Gesundheitsförderung ist schwierig, da es in der Schweiz immer noch verschiedene gesetzliche Hürden gibt.

Welches  sind die aktuellsten Projekte, die dies zum Ziel haben?
Im Bereich sekundäre Prävention sind wir mit Krankenkassen an diversen Pilotprojekten im  „Disease-Management“(Behandlungsprogramm für chronisch kranke Menschen) tätig.

In der primären Prävention möchten wir durch Ernährungs- und Bewegungsprogramme sowie einen Risikotest die Aufmerksamkeit auf  Diabetes lenken. Der Risikotest ist ein sehr wichtiger Bestandteil, Sie finden ihn auf unserer Website. Mit diesem Test kann man das  Risiko an einem Typ-2-Diabetes zu erkranken erfahren und mit dem Hausarzt geeignete Schritte festlegen – die Diagnose Diabetes gehört in ärztliche Hände.

 Am 14.November findet der WDD Tag statt, was ist das Ziel dieses Tages?
Unser wichtigstes Ziel für diesen Tag ist: Die Aufmerksamkeit der breiten Bevölkerung für das Thema Diabetes!

Wir möchten, dass jeder über Diabetes spricht – nicht nur die Betroffenen und die Vorbeugung und auch die Auswirkungen des Diabetes aufzeigen, denn Diabetes kann jeden treffen! Dabei  verzichten wir bewusst auf „Screening Aktionen“ da dies sehr oft zu falsch positiven oder negativen Ergebnissen führt. Jedoch empfehlen wir jedem den schon vorher erwähnten Risikotest und je nach Ergebnis ein Gespräch mit den Hausarzt.

Welche Aktionen hat die Schweizerische  Diabetes-Gesellschaft  vorbereitet?
Wir werden an diesem Tag in den Medien auf das Thema Diabetes aufmerksam machen und zusätzlich findet bereits zum dritten Mal die Aktion „Schritt um Schritt für Diabetes“ am 12. November 2011 statt.
An diesem Tag verschenkt die Schweizerische Diabetes-Gesellschaft und ihre Partner tausende Schrittzähler und zählt Schritte, welche in Spendenbeiträge für die Sommerlager für Kinder und Jugendliche mit Diabetes umgewandelt werden. Die Informationsstände befinden sich in Coop-Einkaufszentren, an gut frequentierten Standorten. Im Jahre 2010 wurden 5 Millionen Schritte gemacht!

Welches ist das grösste Ziel, dass die Schweizerische Diabetes-Gesellschaft erreichen möchte?
Das grösste Ziel wäre, dass 80% aller betroffenen Diabetiker eine adäquate Behandlung erhalten d.h. nicht nur Medikamente, sondern auch die nötige Betreuung, Beratung und Schulung über Diabetes.
Es werden leider viel zu wenige Schulungen von den Ärzten verordnet, der Teamgedanke für die Therapie der Patienten könnte noch stark verbessert werden. Medikamente alleine reichen nicht aus – der Arzt muss nicht nur kurieren, sondern als Coach fungieren und den Patienten so weit bringen, dass er eigenverantwortlich ist für ihre Krankheit. Nur ein informierter Patient kann sich situationsgerecht verhalten.
Die SDG hilft dem Arzt dabei, indem sie die Schulung und Information des Diabetikers übernehmen kann.

Ein Rat, den Sie jeden Diabetes Patienten mit auf dem Weg geben möchten
Der Diabetiker soll sich vollumfänglich über seine Erkrankung informieren, sich Wissen darüber  aneignen und sich mit dem Diabetes auseinander setzen.
Er soll Eigenverantwortung für die Krankheit tragen und sich auch über die Spätfolgen des Diabetes informieren, weil die sein Verhalten prägt.

Wenn Sie drei Wünsche für die Diabetiker in der Schweiz frei hätten, was würden Sie Ihnen wünschen?

1.      Dass jeder Patient bei der Diagnose Diabetes eine standardisierte, strukturierte Schulung erhält, weil dies Standard in der Medizin ist.
2.      Dass jeder Diabetiker z.B. alle fünf Jahre eine regelmässige Wiederholung der Schulung erhält, weil es Standard ist und von der Krankenkasse gezahlt wird.
3.      Dass Diabetiker nicht mehr diskriminiert und stigmatisiert werden und offen über ihre Erkrankung sprechen können ohne Konsequenzen zu fürchten. (Versicherungen,Beruf und soziales Umfeld).

 

Vielen Dank für dieses interessante Interview!

Weitere Informationen, Material und Adressen von Beratungsstellen  unter  www.diabetesgesellschaft.ch